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Herzlich Willkommen auf der Website der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde Münster!


Was machen Sie sonntags?

Eine der frühsten sozialen Leistungen der Menschheit ist das Sabbatgebot. Es bescherte Mensch und Lasttier einen arbeitsfreien Tag. Sogar der "Fremdling", der Andersgläubige war vom Arbeiten losgesprochen, zugunsten seines Innenlebens.

Natürlich, dahinter stand das Geschenk von Gott. Aber dem ging es nicht zuerst nur um ungeteilte Aufmerksamkeit, Gebete und Nachdenken und feierliche Gottesdienste. Denn der siebte Tag sollte nie nur religiöse Pflicht sein. Der Mensch tut was für sich, wenn er Zeit für Gott hat. Der ist ja als Herz aller Dinge auch meine und Ihre Mitte. "Am letzten Kapitel der Weltentwicklung, bildlich gesprochen: am siebten Tag, ruhte Gott von allen seinen Werken" - das ist der Grund, warum auch der Mensch nach sechs Tagen Maloche dann ruhen soll. Die Sabbatruhe bzw. die Sonntagsheiligung ist ein Freispruch, ein Geschenk vom Zeitgeber und Taktschläger und Lebenszuteiler - von Gott selbst - an seine Schöpfung.

So viele wie möglich sollen am selben Tag sich privat fühlen, und möglichst wenig müssen, jedenfalls an diesem Tag keinem andern Menschen zu Willen sein. Klar, die moderne arbeitsteilige Gesellschaft braucht auch sonntags Menschen im Notdienst, Menschen, die andere versorgen, befördern, unterhalten, pflegen, retten. Aber was tun wir uns an, wenn wir immer mehr Alltägliches auf den Sonntag packen?

Klar, dass es irgendwo Essbares zu kaufen geben muss und für vergessliche Raucher Automaten, damit sie ihr Quantum endlich voll kriegen. Aber warum wir sonntags Brötchen brauchen, ist schon eine Frage. Ist es den Bäckern ein Fortschritt, dass sie jetzt sieben Tage auf den Beinen sind für die Kunden? Wenn die einen aufhaben, müssen die andern nachziehen - sonst gibt's Gerede: "der hat es wohl nicht mehr nötig" und so. Darum war die generelle Regelung ja auch Schutz.

Manchen mag das ausgiebige Frühstück mit frischen Brötchen, frischer Zeitung die Krönung der Woche sein, Symbol der Freiheit und des eigenzentrierten Zeitbudgets. Aber es ist erkauft durch das Dienen anderer - merken wir das eigentlich noch?

Wenn Shoppengehen für viele die letzte große Freiheit wäre, dann ist der Damm der Feiertagsruhe nicht zu halten. Per Gesetz lässt sich nur regeln, was im Prinzip (fast) allen einleuchtet. Aber noch sind viel mehr Menschen dankbar über einen Sonntag, der noch Alternative zum Alltag ist; und darum Sonntag - ein Tag, an dem wir nichts müssen; auch nicht Einkaufen, nur weil irgendwo offen ist. Ein Sonntagsbrötchen kann von ferne noch Dank in uns entwickeln, aber alle Läden auf? Wir würden uns zurücksehnen nach der (schon genügend gestörten) Ruhe des siebten Tages - aber dann wüsste keiner mehr davon, wir glücklichen Menschen in Ruhe.

Pfr. Stephan M. Stötzel




 
 

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